Kultur
1. Ausstellung "100 Jahre Turfan-Expeditionen"
2. DIE SIKHS UND DEREN GURDWARA
Ausstellung
"100 Jahre Turfan-Expeditionen
- Kunst und Kulturen der Seidenstraße" Symposium
"Turfan Revisited - The First Century of Research into the Arts and Cultures
of the Silk Road"
Zentralasiatische Kunstwerke und schriftliche Zeugnisse in einer bewunderten und fordernden Vielfalt von Schriften und Sprachen stehen seit mehr als einem Jahrhundert im Zentrum wissenschaftlicher Bemühungen.
Einen beträchtlichen Anteil an der Erforschung der alten, hauptsächlich vorislamischen Kulturen des Tarimbeckens hatten die von der Indischen Abteilung des Museums für Völkerkunde in der Zeit von 1902 bis 1914 durchgeführten vier Expeditionen unter Leitung von Albert Grünwedel und Albert von LeCoq.
Die Deutschen begannen im Jahre 1902 die ersten ihrer insgesamt vier Expeditionen nach Chinesisch-Zentralasien. Der Indologe Albert Grünwedel, Direktor der Indischen Abteilung des Museums für Völkerkunde, und der wissenschaftliche Mitarbeiter, der Turkologe Albert von LeCoq, übernahmen abwechselnd die Leitung der zwischen 1902 und 1914 durchgeführten Expeditionen. Dritter Teilnehmer war Theodor Bartus, ein Museumstechniker mit bewegter Seemannsvergangenheit. Ziel war anfänglich nur die Oase von Turfan, das heutige Gaochang, so dass man im allgemeinen von den 'Turfan'-Expeditionen spricht, obwohl später auch gerade in den westlich gelegenen Regionen Kucha und Tumshuk einzigartige Relikte der untergegangen geglaubten zentralasiatischen Kultur entdeckt wurden. Die vorrangigste Aufgabe der Forscher bestand zunächst darin, die Ruinen aufzunehmen und zuverlässige Pläne herzustellen, die die gefundenen Kunstobjekte in situ markierten. Auf dieser Basis ist bis auf den heutigen Tag deren wissenschaftliche Bearbeitung überhaupt möglich.
Schon die sensationellen Ergebnisse der ersten Expeditionen veranlaßten die inzwischen gegründete deutsche Sektion der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung Zentralasiens die Fortführung dieser Forschungen zu befürworten. Die Finanzierung aller vier Reisen war nur möglich, weil sich private Sponsoren einbrachten. Einer von ihnen war der Kaufmann James Simon, der andere der Geheimrat Krupp in Essen. Ausschließlich mit den vom Museum für Völkerkunde bereitgestellten Geldern wäre die Realisierung dieser, die Wissenschaft revolutionierenden Forschungen undenkbar gewesen.
Die Acta der Expeditionen enthalten die erste Planung der Expeditionen, Berichte aus Turfan und vieles aus der praktischen Arbeit. Einen anderen Aspekt der Reisen repräsentieren die hier ausgestellten Pässe der Expeditionsteilnehmer.
Die nach Berlin gelangten Kunstschätze, die zwischen dem 3. und 12. Jahrhundert n.Chr. entstanden sind und in Hunderten von Tempeln gefunden wurden - neben zahllosen Wandmalereien, Skulpturen aus Lehm, Holz und Metall, bemalten, gewebten und bestickten Textilien auch Handschriften in mehr als 20 Schriften und Sprachen, von Griechisch über Sanskrit bis hin zum Chinesischen, mit Texten buddhistischer, christlicher und manichäischer Inhalte, waren teilweise unbekannt und geben der Wissenschaft bis zum heutigen Tage Rätsel auf. Die Zeugnisse dieser untergegangen geglaubten zentralasiatischen Kultur sind so sensationell und vielfältig, dass die wissenschaftliche Auswertung der Funde zu immer neuen und aufregenden Erkenntnissen führt. Die bildlichen Darstellungen zeigen die ethnische Zugehörigkeit der Bewohner dieser Region, das Leben der buddhistischen Mönche und die Entwicklung der Religionen im ersten nachchristlichen Jahrtausend. Ohne diese bildlichen Darstellungen und die etwa 40.000 Handschriften wäre die Zentralasienforschung heute bedeutungslos.
Grünwedel wie auch von LeCoq zählen zu den ersten Forschern, die die an der Seidenstraße zutage getretenen Relikte in ihrer lokalen Verankerung betrachtet, und bedeutenden Arbeiten zur Kunstgeschichte Zentralasiens nach den neuen Funden veröffentlichten. Auf ihren grundlegendenPublikationen basieren die weiteren kunstgeschichtlichen Arbeiten, die durch das insgesamt angewachsene Material an vergleichbaren Stilrichtungen, vor allem aus Dunhuang, auch neue Akzente setzen können.
Die kunsthistorischen Funde der vier Turfan-Expeditionen sind das Herzstück und die Attraktion des kürzlich wiedereröffneten Museums für Indische Kunst in Berlin-Dahlem. Neben der ständigen Ausstellung werden in dieser Sonderausstellung vor allem Objekte gezeigt, die dem Publikum sonst nicht zugänglich sind.
Der Arbeit an den Textzeugnissen, die zunächst eher ein Nebenprodukt der archäologisch-kunstgeschichtlich orientierten Expeditionen waren, widmete sich als erster und sogleich der allen zum Vorbild und Maßstab gewordene Friedrich Wilhelm Karl Müller, der in der Ostasiatischen Abteilung des Museums arbeitete. Seine Kenntnisse einer Vielzahl von asiatischen Sprachen ermöglichte ihm rasch den Blick für das Wesentliche, und so erfolgte nicht nur die Entzifferung der manichäischen Schrift, sondern er gehörte auch zu den Wegbereitern der Entschlüsselung der zunächst unbekannten Sprache, heute Tocharisch genannt, die zur indo-germanischen Sprachgruppe gehört und einen unerwarteten Centrum-Typ repräsentiert. Doch auch Philologen des Indischen taten das Ihrige, und ihnen gelang unter anderem die Aufdeckung der ältesten indischen Dramenhandschriften. Die Erforschung der Textzeugnisse, Handschriften und Blockdrucke, erfolgt im Rahmen der philologischen Fächer, und die Gewichtung für die Gestaltung derselben ist natürlich sehr unterschiedlich: während für die Tocharologie die neuen Texte aus dem Tarimbecken überhaupt erst dieses neue Fach ermöglichten, stellen die chinesischen Textfragmente völlig neues Material dar allenfalls nur für einige Bereiche der Volksliteratur, in anderen Fällen bieten sie alte und interessante Varianten bereits bekannter Werke. Den weitaus überragenden Teil des Schrifttums nehmen Texte der heimisch gewordenen Religionen (Christentum, Manichäismus und Buddhismus) ein, doch sind auch die Reste der Kanzleien und Archive sowie literarischer, wissenschaftlicher und privater Schriften von hohem Wert, denn sie erlauben einen, wenn auch nur geringen Blick in das Leben der zentralasiatischen Gesellschaften, ihrer materiellen Kultur, ihres Rechtswesens, ihrer Klöster und ihrer Gedanken - wenn sie einmal den Blick über die Bergzüge des Tianshan schweifen ließen, oder wenn sie die Musikinstrumente erklingen ließen, wie es Wang Yande im 10. Jahrhundert für das Uigurische Königreich bezeugte.
Die buddhistischen Zeugnisse aus Zentralasien bilden eine feste Grundlage für die Erforschung der aus Nordindien stammenden Lehre des Buddha Shakyamuni. Der durch die verstärkte Ausprägung der Mitgefühl predigenden Idee des Bodhisattva entstandene Mahayana-Buddhismus präsentiert von Anfang an seine Lehre in recht umfangreichen, zum Teil auch anwachsenden Sutras, für die hier in der Ausstellung des Suvamaprabhassottamsutra als ein Beispiel vorgestellt wird. Neben der immensen Verbreitung des Textes in Zentralasien soll ein wenig vom Editionsvorgang und Forschungsstand vor Augen geführt.
Die vom 8. bis 15. September stattfindende Tagung „Turfan Revisited - The First Century of Research into the Arts and Cultures of the Silk Road „, veranstaltet von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dem Museum für Indische Kunst und der Orientabteilung der Staatsbibliothek, nimmt den Jahrestag der 100. Wiederkehr der Turfanexpeditionen zum Anlaß, die Bedeutung der Funde als kulturelles Erbe der Menschheit zu dokumentieren und den Wissenschaftlern die Möglichkeit einzuräumen, neben der Präsentation neuester Forschungsergebnisse einen anregenden Gedankenaustausch zu führen. Die große Beteiligung von Gelehrten aus allen wichtigen Zentren, darunter auch aus der Autonomen Region Xinjiang selbst, ist der Bedeutung dieser Forschungen angemessen, denn das Zusammenleben der verschiedenen religiösen Gruppen und Ethnien kann auch uns Heutigen Beispiel sein Das Programm für das Symposium kann über Internet eingesehen werden: http://www.BBAW.de
Was Kirche für die Christen, Moschee für die Moslems, Mandir für die Hindus oder Synagoge für die Juden, ist GURDWARA für die Sikhs.
Die Sikh-Religion
ist eine der jüngsten Weltreligionen. Es gibt etwa 23 Millionen Sikhs weltweit,
davon etwa 80 % in Indien, überwiegend im Punjab. Die Wanderlust der Sikhs verstreute
sie nicht nur in alle Ecken Indiens, sondern auch in alle Himmelsrichtungen
der Erde. Es gibt Sikh-Gemeinden überall von Finnland bis zu den Fidschi-Inseln
und von Australien bis Alaska. Ein großer Teil der Diaspora-Sikhs ist jedoch
in den USA, in Kanada und England beheimatet. Überall, wo Sikhs leben, gibt
es "GURDWARAS" auch "GURUGHAR" oder "HARIMANDAR" (Gotteshaus) genannt. Das Zentral-Heiligtum
der Sikhs, das SRI HARIMANDIR SAHIB auch DABAR SAHIB oder GOLDEN TEMPLE genannt,
ist in Amritsar, Nordindien, fast an der Grenze zu Pakistan.
Der Grundstein für den GOLDEN TEMPLE wurde von einem zeitgenössischen moslemischen
Heiligen - Hazrat Mian Mir aus Lahore im Jahre 1588 gelegt. Im Jahre 1604 wurde
das Heilige Buch der Sikhs "GURU GRANTH" in Harimandar als Altar aufgestellt
und seitdem gibt es täglich Gottesdienst mit Singen der Hymnen ("GURBANI") von
morgens 03.00 Uhr bis nachts 23.00 Uhr. In diesen fast 400 Jahren gab es nur
drei kurze Unterbrechungen in den Jahren 1762, 1773 und 1984, als die Truppen
der Zentralregierung den Tempel besetzten und beschädigten. Die Sikhs hatten
den Tempel schnell wieder befreit, aufgebaut und den Gottesdienst fortgesetzt.
Der Goldene Tempel von Amritsar hat vier Eingangstüren, eine in jede Himmelsrichtung,
symbolisch dafür, dass Menschen aus allen Richtungen, aller Glauben, Klassen
oder Kasten hier willkommen sind. Niemandem wird hier der Eintritt verwehrt.
GURU GRANTH, die Sikh-Bibel, ist einmalig in zweierlei Hinsicht:
a)Es ist das einzige
Buch, dass von Religionsstiftern zu deren Lebzeiten verfaßt wurde.
b)Es ist ein sehr universales Buch, weil es die Schriften nicht nur von Sikh-Gurus
sondern auch von Theologen anderer Regionen enthält, wie z.B. von Hindus, von
Muslims, von Sufis und sogar von Gelehrten, die damals als Angehörige der untersten
Kasten oder als Unberührbare verachtet wurden.
In und um Berlin gibt es z.Zt. etwa 200 Angehörige des Sikh-Glaubens. Die Sikh-Gemeinde Berlin existiert schon seit 25 Jahren. Für unsere sonntäglichen Gottesdienste und Gemeindetreffen hatten wir bisher verschiedene Räume angemietet. Mehrmals mussten wir umziehen, weil entweder durch wachsende Mitgliederzahl die Räume nicht mehr ausreichten oder der Vermieter uns nicht mehr wollte. Als Folge entschieden wir uns, geeignete Räume zu erwerben. Nach langjähriger Suche haben wir endlich ein passendes Gebäude, Kögelstr. 6, 13403 Berlin Reinickendorf (Nähe U-Bahn Kurt-Schumacher-Platz) gefunden und gekauft.